Die Bachelorarbeit von Andrea Häfele bringt neben der Spitzennote auch Vorteile für die Firma ESG Kräuter.

Von der Bachelorarbeit zum Europäischen Patentamt – diese Erfolgsgeschichte hat Andrea Häfele aus Mertingen geschrieben, die mit ihrer Abschlussarbeit in Lebensmitteltechnologie grundlegende Verbesserungen im Trocknungsprozess bei der ESG Kräuter in Hamlar in die Wege leitete, die jetzt europaweit zum Patent angemeldet sind. Die wichtigsten Vorteile des neuen Systems: Verstärkte Keimreduzierung, erhöhte Farbstabilität und Aromaerhaltung sowie verbesserte Energieeffizienz.

Im Lauf ihres Studiums an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf kristallisierte sich das Wunschthema der Bachelorarbeit heraus: „Ich wollte auf jeden Fall etwas im Bereich der Mikrobiologie machen“, sagt Häfele. Die Idee, bei ESG Kräuter nach möglichen Projekten zu fragen, lag nahe, weil das Unternehmen seit Jahren eng mit der Hochschule zusammenarbeitet. Beim ersten Anruf und im Gespräch mit Unternehmenssprecherin Melanie Schiele stellte sich heraus, dass ESG gemeinsam mit dem Lebensmittelhersteller Knorr gerade erforschte, wie man den Trocknungsprozess für Kräuter optimieren kann, um die Keimbelastung zu minimieren.

Bei einem Praktikum im Februar 2013 lernte man sich kennen, im Mai und Juni ging es gemeinsam mit dem Team aus Knorr- und ESG-Experten richtig los: „Es gab Unmengen Versuche, die ich ausgewertet habe. Auch mikrobiologische Untersuchungen gehörten zu meinem Part,“ berichtet Häfele. Und die Forschungen führten zu mehr als einem Ergebnis: Wollte man zunächst vor allem eine Möglichkeit zur Keimreduzierung schaffen, fanden sich im Rahmen des Projekts auch noch Wege und Techniken, bei der Trocknung die Farben und das Aroma der Kräuter besser zu erhalten und zudem in der Produktion erheblich Energie einzusparen.

„Validierung des Trocknungsprozesses zur Reduzierung des Keimgehalts von Petersilie“ lautet der korrekte Titel der Bachelorarbeit. Häfele: „Das optimierte Trocknungsverfahren sieht eine völlig neuartige Prozessführung vor. Ziel ist eine Verbesserung der Produktqualität sowie eine Steigerung der Energieeffizienz.“ Dem bestehenden Trocknungsprozess wurde eine eigens konstruierte Aroma-Bandanlage vorgeschaltet, die ohne zusätzlichen Energieaufwand nur mittels der Abluft der Trockner effizient beheizt werden kann. Durch ein ganzheitlich angepasstes Luftführungssystem könne eine große Menge an Energie eingespart werden. Zudem werde ein Großteil der flüchtigen Aromastoffe aufgefangen und das Trockengut schonend erwärmt, ohne dass es an Textur und Farbe verliert. Der Schritt des Erwärmens sei auch entscheidend für den nachfolgenden Erhitzungsschritt, wodurch die mikrobielle Belastung wesentlich wirkungsvoller reduziert werden könne.

Dieses Verfahren, neu und einzigartig in seiner Art, müsse europaweit zum Patent angemeldet werden, beschloss ESG-Chef Erhard Schiele und zollte damit der Arbeit höchste Anerkennung. Größte Auszeichnung gab es auch von der Hochschule: Note 1,0 für die rund 100 Seiten starke Bachelorarbeit. „Und dabei hat es mir auch noch sehr viel Spaß gemacht, weil es keine rein theoretische Arbeit war, sondern mit sehr viel Praxis verbunden“, freut sich Andrea Häfele, die jetzt übrigens bei ESG arbeitet.